{"id":96,"date":"2017-03-07T12:45:37","date_gmt":"2017-03-07T11:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/glockenverein-neuenkirchen.de\/?page_id=96"},"modified":"2017-10-28T12:20:47","modified_gmt":"2017-10-28T10:20:47","slug":"thomas-thorild","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/glockenverein-neuenkirchen.de\/sv\/kirche-und-pfarrensemble\/persoenlichkeiten\/thomas-thorild\/","title":{"rendered":"Thomas Thorild"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\" id=\"wpb-content-root\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8221;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thomas Thorild in Blasupp (Westschweden, Bohusl\u00e4n) geboren, war ein hochbegabter, feinsinniger aber sehr impulsiver und streitbarer Mann, der sich schon in jungen Jahren als Dichter, Kritiker und Schriftsteller hervortat und, den deutschen St\u00fcrmern und Dr\u00e4ngern verwandt, gegen die in Schweden herrschenden literarischen Richtungen Front bezog. F\u00fcr die Freiheit des Wortes und des Geistes eintretend zog er mit scharfen Worten gegen die Zensur zu Felde und \u00e4u\u00dferte sich auch in staatspolitischen Fragen kritisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Grund wurde er in den f\u00fcr die Ermordung des K\u00f6nigs Gustav III. f\u00fcr verantwortlich angesehenen Personenkreis einbezogen. Kritische und scharfe \u00c4u\u00dferungen wurden ihm zur Last gelegt, so dass er schlie\u00dflich zu vierj\u00e4hriger Verbannung verurteilt, Schweden verlassen musste. Er hielt sich zun\u00e4chst in Kopenhagen, dann in Hamburg und L\u00fcbeck auf und bekam schlie\u00dflich, da er die Verbindung zu G\u00f6nnern Schweden aufrechterhalten hatte und sich gef\u00e4llig zeigte, auf seine Bitte eine Stellung an der damals schwedischen Universit\u00e4t Greifswald als Bibliothekar und au\u00dferordentlicher Professor. Seine Einsetzung wurde nur gegen anhaltenden Widerstand der Professoren mit schwedischem Druck m\u00f6glich, und auch in den Jahren seines damaligen Wirkens hat es an Spannungen und Differenzen nicht gefehlt, da Thorild au\u00dferordentlich empfindlich war, eine scharfe Zunge besa\u00df und selbstbewusst seine Stellung und seine Rechte zu behaupten wusste.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/3&#8243;][vc_single_image image=&#8221;568&#8243; img_size=&#8221;large&#8221; onclick=&#8221;link_image&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8221;1\/3&#8243;][vc_single_image image=&#8221;551&#8243; img_size=&#8221;large&#8221; add_caption=&#8221;yes&#8221; onclick=&#8221;link_image&#8221;][vc_single_image image=&#8221;552&#8243; img_size=&#8221;large&#8221; add_caption=&#8221;yes&#8221; onclick=&#8221;link_image&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seiner T\u00e4tigkeit an der alten pommerschen Universit\u00e4t war aber voller Erfolg beschieden. Als Leiter der Universit\u00e4tsbibliothek hat er nicht nur seine Dienstverpflichtungen ernst genommen, die Best\u00e4nde nach Kr\u00e4ften vermehrt, die Kataloge gef\u00fchrt und seine Befugnisse gegen Eingriffe der Universit\u00e4tsbeh\u00f6rden energisch verteidigt, er hat sich auch theoretisch mit Bedeutung und Charakter einer akademischen Bibliothek besch\u00e4ftigt und diesem Thema eine kluge lateinische Arbeit gewidmet. Er geh\u00f6rte zu den namhaftesten Greifswalder Professoren der Zeit, und seine Vorlesungen waren gut besucht. Er verfasste hier ein umf\u00e4ngliches, lateinisch geschriebenes Werk mit dem Titel \u201eMaximum seu rachimetria\u201c und eine Reihe kleinerer Schriften und Disputationen, trat mehrfach als Redner bei festlichen Anl\u00e4ssen auf und empfing gern den Besuch schwedischer G\u00e4ste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein in Greifswald verfasstes Werk, trug ihm die Freundschaft Herders ein, mit dem er im Briefwechsel stand und f\u00fcr dessen philosophische Schriften als Bearbeiter in der Gesamtausgabe er vorgesehen war. Mit Ernst Moritz Arndt, der mehrere Jahre hindurch sein Kollege an der Universit\u00e4t Greifswald wurde, war er in Freundschaft verbunden. Arndts fr\u00fche Schriften weisen \u00e4hnliche Gedankeng\u00e4nge wie die Thorilds auf. Dieser ebnete Arndt bei seiner ersten Schwedenreise den Weg durch ein ehrenvolles Empfehlungsschreiben. Zehn Jahre nach seinem Tod ehrte Arndt ihn durch die Widmung \u201eAn Thorild\u201c in einem langen, des Dichters Ideen atmendes Gedicht. Thorilds im Aufsteigen befindliche Laufbahn wurde durch seinen fr\u00fchen Tod j\u00e4h beendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 1. Oktober 1808 erlag Thomas Thorild einem pl\u00f6tzlichen Nervenfieber.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8221;2\/3&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob ihn eine Freundschaft mit dem Ortspfarrer verband oder ob er die stille des d\u00f6rflichen Friedens liebte, ist nicht bekannt. Er w\u00e4hlte den Neuenkirchener Friedhof als letzte Ruhest\u00e4tte. Dicht neben dem Haupteingang der Kirche wurde er in den fr\u00fchen Morgenstunden des 4. Oktober von den Verwandten und Freunden dort zu Grabe getragen. Der Ortspfarrer vermerkte im Kirchenbuch: \u201eHerr Professor Thomas Thorild, au\u00dferordentlicher Professor und Bibliothekar, einer der aufgekl\u00e4rtesten M\u00e4nner und ein feiner Philosoph, in Greifswald gestorben und hier seinem Wunsche nach begraben des Morgens 6 Uhr in Begleitung einiger weniger Freunde und seiner Gattin und Kinder.\u201c In dem gleichen Familienbegr\u00e4bnis fanden dann auch seine in jungen Jahren verstorbene Tochter, die mit Professor Fiorello verheiratet war, Professor Fiorello selbst, die junge Tochter seines Sohnes und Thorilds eigene Gattin, die ihn um 50 Jahre \u00fcberlebte, ihre letzte Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grab, das von einer gro\u00dfen Linde \u00fcberschattet ist, tr\u00e4gt einen sch\u00f6nen Grabstein, der auf der einen Seite folgende Inschrift f\u00fchrt:<\/p>\n<blockquote class=\"text-big shortcode-blockquote\"><p style=\"text-align: center;\">\u00abO, viva viva divinitas! Meae animae anima! Tibi fui, tibi sum. Thorild.\u00bb<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(O du lebendige, immer lebendige G\u00f6ttlichkeit! Du meines Geistes Geist! Dein war ich, dein bin ich. Thorild.)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allj\u00e4hrlich fanden sich viele Jahrzehnte sp\u00e4ter schwedische Studenten, die in Greifswald studierten, und schwedische G\u00e4ste am Grabe ein, um den gro\u00dfen Sohn ihres Volkes mit schwedischen Liedern und Ansprachen zu ehren. Der Platz unter der Linde war zu einer Pilgerst\u00e4tte geworden. Als sp\u00e4ter die schwedischen G\u00e4ste in Greifswald seltener wurden, wurde es auch einsamer um die Ruhest\u00e4tte. Vergessen war der gro\u00dfe Schwede weder in Schweden noch in Deutschland. Bis in die j\u00fcngste Zeit hinein besch\u00e4ftigen sich umfangreiche B\u00fccher und Aufs\u00e4tze mit seinem Leben und seinem Lebenswerk. Eine Gesamtausgabe seiner Briefe ist im Erscheinen.<\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/3&#8243;][vc_single_image image=&#8221;550&#8243; img_size=&#8221;large&#8221; add_caption=&#8221;yes&#8221; onclick=&#8221;link_image&#8221;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column][vc_separator][vc_column_text]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anl\u00e4sslich der F\u00fcnfhundertjahrfeier der Universit\u00e4t Greifswald im Jahre 1956 versammelten sich schwedische G\u00e4ste und deutsche Vertreter zur Ehrung Thorilds am Grabe in Neuenkirchen, nachdem vorher Professor Dr. Rosenfeld in einer akademischen Feier in der Aula der Universit\u00e4t vor zahlreichen Teilnehmern die Verdienst Thorilds f\u00fcr die Wissenschaft gew\u00fcrdigt hatte. Professor Dr. Elias Wessen (Stockholm) legte im Namen der Schwedischen Akademie am Grabe einen Kranz nieder und w\u00fcrdigte den Dichter und Denker mit ehrenden Worten und dem Vortrag einiger seiner Gedichte in schwedischer Sprache. Nach Gedenkworten des Ortspfarrers ehrte der Direktor der Universit\u00e4tsbibliothek seinen gro\u00dfen Vorg\u00e4nger im Amt, indem er dessen Verdienste f\u00fcr die Bibliothek und die Aula mater Grypswaldensis hervorhob und zu seiner und des schwedischen Volkes Ehrung ebenfalls einen Kranz am Grabe niederlegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>(Ernst Zunker in POMMERN, Kunst, Geschichte, Volkstum. Jahrg. 10, 1972)<\/em><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row type=&#8221;1&#8243;][vc_column][vc_column_text]<span style=\"font-size: 10pt;\"><strong>Quelle<\/strong>:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Thorild.gif\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Thorild.gif<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Thomas_Thorild_(ur_Svenska_Familj-Journalen).png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Thomas_Thorild_(ur_Svenska_Familj-Journalen).png<\/a><br \/>\n<\/span>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8221;2\/3&#8243;][vc_column_text] Thomas Thorild in Blasupp (Westschweden, Bohusl\u00e4n) geboren, war ein hochbegabter, feinsinniger aber sehr impulsiver und streitbarer Mann, der sich schon in jungen Jahren als Dichter, Kritiker und Schriftsteller hervortat und, den deutschen St\u00fcrmern und Dr\u00e4ngern verwandt, gegen die in Schweden herrschenden literarischen Richtungen Front bezog. 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