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Das Pfarrhaus

Das Pfarrhaus in Neuenkirchen

- Ein besonderes Schicksal -

Schon 1629, also bei den ersten Auswirkungen des 30jährigen Krieges in Vorpommern, war die Pfarre (frhr. Wiedem genannt) niedergerissen worden und erst 1636 wieder aufgebaut.
1638 wurde wieder alles zerstört. Im Jahre 1651 wurde das Pfarrhaus neu gebaut.

Pfarrer Matthias Menckhusen ( 1669 bis 1707) berichtet, wie er nur mit Mühe die Türen der Pfarre und der umliegenden Häuser erhalten und bergen konnte, indem er sie bei der Ernte - als alle Bürger draußen auf dem Felde waren - herausnehmen und verwahren ließ und wie er auf sein dringendes Ersuchen eine Schutzgarde für das Pfarrhaus erhalten habe.
Ein Lager umgab damals das Dorf, das Pfarrhaus war mit Kriegern angefüllt unter ihnen auch ein General und zwei Obristen. Menckhusen vergrößerte den Pfarrgarten nach Nordosten und bepflanzte ihn mit vielen Fruchtbäumen.

Im Sommer 1813 waren nahe bei Neuenkirchen 10-12.000 schwedischer Truppen in ein Lager gezogen. Die beiden Obristen Löwesin und Reuterskjöld nahmen Quartier im Pfarrhaus.

Pfarrhaus und Kirche waren stets Versammlungs- und Anlaufpunkte für die Bevölkerung, aber auch für das Militär. Die von diesem verübten Drangsale wurden in den Jahren 1819 und 1820 aber noch übertroffen durch persönliche Schicksale. So ertranken in diesen beiden Jahren zunächst ein Ziehsohn des Pfarrers Christian Gabriel Balthasar und im Jahr darauf sein einziger Sohn. Beide Jungen waren dem großen Gartenteich vor dem Pfarrhaus zu nahe gekommen und so ihrem Spieltrieb zum Opfer gefallen. Das war dann der Anlass, den großen Teich zuzuschütten und in die Mitte einen Walnussbaum zu pflanzen. Dieser blieb vor dem Pfarrhause stehen, bis er im Jahre 1956 zerbrach und an seine Stelle die jetzt sehr große Tanne gesetzt wurde.
Im Jahre 1820 wurde dem Ehepaar Balthasar zu ihrem Glück die Tochter Alwine geboren, die später unter ihrem Ehenamen Wuthenow in die pommersche Geschichte einging.

Fast 100 Jahre später (1915) wurde der Kirchgemeinde der Pfarrer Paul Zuncker durch den Krieg genommen.
Zu Beginn des I. Weltkriegs kamen als Folge kriegerischer Auseinandersetzung Preußens mit Russland („Tannenberg“) viele Flüchtlinge aus Ostpreußen auch in unsere Gemeinde und mithin auch ins Pfarrhaus, wo sie selbstverständlich aufgenommen wurden. Die meisten dieser Menschen zogen später aber wieder in ihre Heimat zurück.
Eine viel größere Welle von Heimatvertriebenen kam jedoch erst gegen Ende des II. Weltkrieges. Jetzt wurde das alte Pfarrhaus erst richtig voll. Im großen Esszimmer, gleich neben der Eingangstür, waren Strohlager, die bis zu 40 Menschen aufnehmen mussten, auch das Giebelzimmer zur Stadt hin war überbelegt. Am letzten Tag vor Ende des Krieges mussten in das Pfarrhaus 40 sowjetische Armeesoldaten einquartiert werden. Pfarrer Dr. Haendler und seine Familie musste vorübergehend das Pfarrhaus verlassen und sich in Greifswald einmieten.

In der Zeit von Kriegsbeginn bis zur Wende im Jahre 1990, hat das Pfarrhaus über die Maßen leiden müssen. Wegen der Materialknappheit mussten viele notwendige Ausbesserungsarbeiten ausbleiben, so dass erst jetzt damit begonnen werden kann, die gröbsten Reparaturarbeiten auszuführen. Das Pfarrhaus ist leider für unbewohnbar erklärt worden, mit der Folge, dass Pfarrer Dr. Gummelt und seine Familie dort nicht einziehen können. Zur Zeit werden die Dacharbeiten geplant, weil das Rohrdach stellenweise sehr durchlässig geworden ist, an Innenarbeiten ist in nächster Zeit leider nicht zu denken weil……………..das Geld hierzu fehlt.

- Niels D. Müller -